Gesamtverband für Kindergottesdienst in der EKD e.V. 

Buchbesprechung

Nachstehende Buchbesprechung wurde ursprünglich geschrieben für: 
Junge.Kirche, 65. Jahrgang, 4 /2004, Hg. von Erev Rav. Informationen: www.jungekirche.de
(Dort leicht gekürzt veröffentlicht)
 

Gemeinsam auf der Suche nach Antworten

 

Wolf Erlbruch
Die große Frage
Peter Hammer Verlag

ISBN 3-87294-948-9

 

Eindruck einer 10jährigen Rezensentin:
"Die Bilder waren eigentlich ganz schön, außer manche, die hätte man etwas schöner malen können. Die Geschichte war ganz schön. Jeder hat seine Meinung gesagt. Jeder hatte eine andere Sache, um auf der Welt zu sein.
Das Buch war gut geschrieben, außer, da hat die Einleitung gefehlt. Da hätte jemand die Frage stellen sollen: 'Wozu sind wir auf der Welt?' Es ist interessant für Kinder von 6-8 Jahren."

Und das fällt mir bei dem Buch auf:
Erlbruchs Bilder sind Kunst. Mit einfachen und doch vielfältigen Mitteln zeigt jede Seite einen Menschen, ein Tier, einen Gegenstand, und jedes hat Charakter. Jedes Bild erzählt eigentlich eine eigene Lebensgeschichte. Dass dies mit so wenigen Linien und Formen möglich ist, fasziniert mich.
Das Buch hat keine vordergründige Story. Der Text besteht ausschließlich aus Antworten auf die große Frage, die das oben zitierte Kind selbstverständlich formuliert hat: "Wozu sind wir auf der Welt?" Diese Antworten sind wunderbar konkret, humorvoll, dabei auch voller Hintersinn und manchmal ganz philosophisch. So sagt die Großmutter: "Natürlich bist du auf der Welt, damit ich dich verwöhnen kann." Der Vogel sagt: "Um dein Lied zu singen, bist du da." Und auch der Tod kommt zu Wort: "Du bist auf der Welt, um das Leben zu lieben."

Eigentlich ist die Geschichte des Buches das Leben selbst, ganz im Sinne einer jüdischen Freundin, die einmal sagte: "Eine Antwort ist konkret und im Augenblick richtig und wichtig. Morgen kann sie anders sein. Aber mit einer guten Frage kannst du ein ganzes Leben leben."

"Wozu sind wir auf der Welt?" ist solch eine gute Frage.
Dieses Bilderbuch ist nicht gedacht, um es von vorn bis hinten zu lesen oder vorzulesen und dann damit "fertig" zu sein. Es ist kein Buch, das man einem Kind in die Hand gibt, damit es ruhig ist und sich selbst beschäftigt. Das Kind mit der großen Frage braucht Menschen, die diese Frage und das immer neue Suchen nach Antworten mit ihm teilen. "Du bist da, weil ich dich liebhabe", sagt die Mutter." Nur wenn das Kind diese Antwort leibhaftig erlebt, wird es auch allein weitere und eigene Antworten suchen und finden können. Darum folgen auf diese letzte Buch-Antwort noch einige Seiten, die das Kind oder auch der Erwachsene selber füllen kann.
Das Buch der großen Frage kann auf ganz besondere Weise zum Lieblingsbuch werden, wenn es sich mit der Erinnerung verknüpft, wie man zusammen mit geliebten Menschen auf die Suche nach eigenen Antworten ging.
Eine junge Mutter sah das Buch an und meinte spontan: "Ein schönes Geschenk zur Taufe." –Recht hat sie.

Brigitte Messerschmidt

 


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